Kentucky Fried Christmas – Wenn Marketing zur Tradition wird

Bild: FestiveMelodies/Adobe Stock
KI-generiertes Bild eines Huhns mit Weihnachtsmütze in festlicher Umgebung.

von Pfarrer Mirco Quint, Vorstandsmitglied im IFE, Tokyo

Weihnachten in Japan hat ein anderes Gesicht als in Europa. Wo hierzulande Gänsebraten, Lebkuchen und Christmetten das Fest prägen, zieht es japanische Familien am 24. und 25. Dezember zu Kentucky Fried Chicken. Dort warten sie geduldig auf den berühmten „Weihnachtseimer“ – ein Ritual, das so fest verankert ist, dass es kaum hinterfragt wird.

Marketing statt Mythos

Die Wurzeln dieses Brauchs liegen nicht in jahrhundertealten Legenden, sondern in einer cleveren Werbekampagne. Takeshi Okawara, Manager des ersten KFC in Japan, erkannte Anfang der 1970er-Jahre eine Marktlücke: Weihnachten ohne Truthahn. Hühnchen sollte die Lösung sein. Mit dem Slogan „Kentucky ist Christmas!“ gelang es ihm, ein Festessen zu etablieren, das bis heute Bestand hat.

Während in Europa die christliche Symbolik das Fest prägt, wurde in Japan ein Konsumritual geschaffen, das sich nahtlos in die urbane Kultur einfügt. Colonel Sanders, mit Bart und rotem Outfit, wurde kurzerhand zum Weihnachtsmann-Ersatz.

Konsum als Kultur

Dass ein Fast-Food-Konzern ein Drittel seines Jahresumsatzes in wenigen Tagen erwirtschaftet, zeigt die Macht von Marketing, wenn es auf kulturellen Leerstellen trifft. Wo keine religiösen Traditionen verankert sind, entsteht Raum für neue Rituale – und diese können ebenso verbindend wirken wie alte Bräuche.

Die festlichen Boxen, die neben Hühnchen auch Krabbengratin und Schokoladenkuchen enthalten, sind nicht billig. Doch sie sind mehr als ein Menü: Sie sind ein Symbol für Zugehörigkeit, für das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die Weihnachten auf ihre eigene Weise feiert.

Spiegel der Gesellschaft

Das „Kentucky-Weihnachten“ ist ein Beispiel dafür, wie Konsumkultur Traditionen formen kann. Es wirft Fragen auf:

  • Wie viel von dem, was wir als „Brauchtum“ verstehen, ist tatsächlich gewachsene Kultur – und wie viel ist geschickt inszenierte Werbung?
  • Und: Ist es überhaupt wichtig, ob ein Ritual aus Religion, Geschichte oder Marketing stammt, solange es Menschen zusammenbringt?

Fazit

In Japan zeigt sich, dass Weihnachten nicht zwingend mit Krippe und Christbaum verbunden sein muss. Es kann auch ein Eimer Brathähnchen sein – solange er das Gefühl von Festlichkeit und Gemeinschaft vermittelt.

Frohe Kentucky-Weihnachten – ein Fest, das beweist, wie flexibel Kultur sein kann.

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